Bienenstich Follow-Up: Ich wollte niemandem wehtun!

Hier in Wien fühlen sich Bienenstiche anders an, als in Brasilien. Zum ersten Mal haben mich die Bienen bei Imkerarbeiten erwischt.

Vor einigen Wochen fand ich mich mal wieder beim befreundeten Imker am Bienenstand wieder. Schon lange arbeitet Martin ohne Schleier oder Schutzanzug, und ich entschloss mich, es ihm gleichzutun. Durch das Schutzgitter sieht man ohnehin nicht gut, und ich fühle die Bienen besser ohne der sperrigen Handschuhe. Neben dem Aufsetzen von Honigzargen und der Schaffung von Ablegern stand mir eine Aufgabe bevor, die ich bisher noch nicht probiert hatte. Beim Flugloch der Beuten war ein Keil angebracht, der den Bienen bei kühleren Temperaturen hilft, den Stock warm zu halten, und bei schwächeren Völkern dafür sorgt, dass die Wächterbienen die Fressfeinde besser fernhalten können.

Hive Entrance
Eingang des Bienenstocks mit vielen emsigen Bienen

Der Sommer ist da. Die Völker sind stärker, und das Wetter wärmer, also war es Zeit, den Keil zu entfernen. Mit dem Stockmeißel, einem metallenen Werkzeug, bewegte ich mich vorsichtig vor das Flugloch und mitten in die Flugbahn tausender Bienen. Die Wächterbienen schauten mich schon skeptisch an. 1, 2, 3, 4, 5 Keile hatte ich schon von den Völkern entfernt, wie aufregend! Doch Aufregung ist das letzte, das man braucht, wenn man soeben die Bienenflugbahn neben sich erweitert hat.

Der sechste Keil klemmte ein wenig. Ich war zögerlich und hektisch zugleich. Ein Anfängerfehler, der den ersten Stich zur Folge hatte, den ich jemals bei Imkerarbeiten kassierte. Ich blieb ruhig und machte weiter. Plötzlich spürte ich, dass mich eine Biene ins linke Ohr gestochen hat. Sie versuchte davonzufliegen, doch blieb mit dem Stachel hängen. Es ging weiter. Nach dem Stich auf dem Ohr und drei auf der linken Hand gab ich auf und entfernte mich langsam von den Fluglöchern. Kaltes Wasser half, den langsam aufkommenden Schmerz zu lindern. Die Haut fühlte sich ganz heiß an und mein Ohr glühte, als hätte ich meinen Schwarm aus der Schule vor mir stehen. Ich zitterte wegen des Adrenalins, arbeitete aber weiter. Die kleinste Nervosität bleibt bei den Bienen nicht unbemerkt, worauf sich die fünfte Gefährtin dazu entschloss, mir mit einem Stich in den Daumen zu sagen: Reiß dich zusammen!

Ich habe das nicht gewollt

Alle haben wir gelitten; die Bienen aber weitaus mehr als ich. Währenddessen ich bloß mit Schwellungen zu tun hatte, stand den nervösen Bienen der Tod bevor. Damit haben sie aber nicht gerechnet. Viele Male zuvor haben diese fünf Bienen zugestochen (eine Biene kann eine andere Biene oder andere Insekten mit dem Gift töten), bevor sie sich, jeder für sich, eine Stelle an meinem Körper ausgemalt hatten, um mir insgesamt 0,5 mg Gift zu verabreichen.

Bienen auf Rahmen
Ohne Handschuhe zu arbeiten erleichtert es mir, das aufgeregte Brummen einer Biene zu bemerken, sollte ich beim Bewegen der Rähmchen mal eine einklemmen.

Nie aber wäre ihnen in den Sinn gekommen, dass sich die menschliche Haut bei einem Stich so stark zusammenziehen würde, dass sie nicht mehr entfliehen konnten. Beim Versuch, sich aus der Haut zu befreien, verendeten sie, weil mit dem Stachel ein erheblicher Teil ihrer Körper in meiner Haut gefangen blieb. Noch zwei bis drei Tage dauerte es, bis sie letztendlich an ihren Verletzungen zugrunde gingen, sofern ich es nicht geschafft habe, ihnen mit einem Schlag einen schnellen Tod zu bereiten. Meine Unachtsamkeit beim Entfernen der Fluglochkeile und die damit verursachte Unruhe hatte den Tod der Bienen zufolge.

Abgesehen von starker Durchblutung meiner Hand und ein wenig Zittern machten mir die Stiche erst nichts. Als Imkerin müsse ich ohnehin daran gewöhnt sein, dachte ich. Doch mein Großvater ist der Ansicht, man gewöhnt sich nie daran. Spätabends dann zeigten sie die Auswirkungen der Stiche.

Hand
Auaaa

 

Ich spürte die kribbelnde Lähmung des Apamin bis in die Fingerspitzen. Durch den Prozess der Hyaluronidase breitete sich die Schwellung fast bis zum Ellenbogen aus, denn die Substanz erweitert die Blutgefäße und ihre Durchlässigkeit. Meine Hand sah aus wie ein roter aufgeblasener Gummihandschuh. Ich hielt sie den ganzen Abend lange aufrecht, und konnte mit meinen Fingen nicht einmal ein Glas Wasser festhalten. Habe ich eine Insektengiftallergie? fragte ich mich. Nein, meinte die nette Apothekerin am nächsten Morgen, wollte mir aber trotzdem ein Antiallergikum mitgeben. Ich frage mich, ob die Lösung für Imker tatsächlich darin bestehen sollte, sich bei jedem Stich Medikamente einzuwerfen. Ich lehnte dankend ab und fragte nach einer kühlenden Creme. Nur etwa ein Prozent der Weltbevölkerung sind auf Mellitin (das Gift macht etwa die Hälfte der Substanzen aus, die die Biene bei einem Stich verabreicht), allergisch, und ich bin heilfroh, nicht allergisch zu sein.

Beim nächsten Besuch an meinem eigenen Bienenstand trug ich zunächst einen Anzug. Bei der Begutachtung des zweiten Volkes legte ich ihn wieder ab. Leise machte ich „schhhh“, als ich die Waben aus den Zargen herauszog. Ich redete mir ein, ich würde damit die Bienen beruhigen. Tatsächlich aber ging es mir darum, meine  Atmung ruhig zu halten und keine Nervosität zu zeigen. Kein Stich passierte.

Die Bienenstiche waren letztendlich ein lehrreiches Erlebnis. Ich hatte die Angst vor Bienenstichen überwunden, und gelernt, weniger hektisch zu sein. Auch die unzähligen Stiche meiner Kindheit (das kommt vom barfußlaufen) habe ich letztendlich positiv in Erinnerung. Denn sie bedeuteten enge Verbundenheit mit der Natur. Damals war ich sogar froh über die homöopathische Dosis des Bienengifts, die in zahlreichen Kulturen zur medizinischen Behandlung von Schmerzen und Muskelkrankheiten eingesetzt wird. Trotzdem aber tut es mir um die fünf Gefährten leid, denn Bienen stechen nie ohne Grund. Sie zeigten mir, wie viel eine ruhige Hand wert sein kann.

Bild1
Free of Fear? Not yet. But with this locally designed shirt  I’ll approach my bees with more confidence.

Bee Sting Follow-Up: I Didn’t Mean to Hurt You, Little Bee.

Back in Vienna,  bee stings feel different than in Brazil. For the first time, bees stung me while working at the hives.

Some weeks ago, I helped out with the bees of a friend. Martin has worked without a beekeeper’s suit for a while, and I decided to try that too. I discovered that it’s way easier to see without the veil in front of my eyes. Without the bulky gloves I feel better what I am actually doing, not crushing any bees. After adding a box for honey, and doing a split of bee colonies, there was one task I have never tried before: At the entrance hole, there was a wedge that helps bees to keep the hive warm at cooler temperatures, and weaker colonies to protect themselves from predators. Summer has come. The colonies are strong and the weather got wuite hot, so it was about time to remove the wedges.

With a hive tool I approached the front of the hives slowly, right in the midst of the flight path of thousands of bees. The guard bees viewed me sceptically. 1, 2, 3, 4, 5 wedges were removed. How exciting! But well, it is not a good idea to get excited, especially when the traffic of the sedulous bees doesn’t get less when you widen the entrance. However, the sixth wedge was stuck. I was both hesitant and hectic – A rookie mistake that cause the first sting I have ever had while working with bees. I stayed calm and carried on. Suddenly I felt a bee stinging my left ear, Ouch! She tried to fly away, but she was stuck with her stinger. It went on and on. After that sting on the ears and three on my left hand I gave up and walked away prudently.

Climbing mount sweetness
Bees climbing mount sweetness. It is not just about removing the wedge, but also some wild honeycomb.

Cold water helped to sooth the slowly emerging pain. My skin felt hot and my ear was glowing as if I had seen my heartthrob from school. I shivered from the adrenaline rushing through my body, but I kept working. The smallest tension could not go unnoticed by the bees, on which the fifth bee decided to tell me by a sting in my left thumb: Pull yourself together, girl!

I didn’t mean it

We all have suffered, but the bees did much more than I. While I only had to cope with  major swellings, death was upon them. They did not expect that. Many times before, those five bees had stung others (a bee can sting other bees and insects and kill them with her venom). Then, all of those five fellows independently envisioned a part of my body to hit my with 0,5mg of venom as a whole.

Never had it occurred to their minds that the human skin would contract so intensely that the bees couldn’t escape anymore. At the attempt of flying away they perished because with the stinger, a main body part was left behind in my skin. It still took at least two days until they finally died, unless I managed to smash them to a rapid death. My inattention while removing the wedge ended the lives of five bees.

Apart from the strong circulation in my hand and some shivering, the stings didn’t bother me too much. As a beekeeper, I should get used to them anyway, I thought. My grandfather, a beekeeper himself, told me I never would.

Late at night, the consequence was more apparent. I felt the tingling paralysis of the apamin up to my fingertips. Hyaluronidase made the swelling reach up to my elbow. The substances in the venom dilate the blood vessels and increase its permeability. My hand looked as if I inflated a red rubber glove. I kept my arm the whole evening upright and I couldn’t even hold a glass of water.

Am I allergic? I thought. The answer of the pharmacist was no, when I asked her the next morning. She recommended anti-allergic pills anyway. I asked myself if that was the right solution: Popping pills every time I get stung? I declined with thanks and asked for a cooling cream instead. Only about two percent of the global population are allergic to mellitin (the substance constitutes half of the bee venom).

The other day, working with my own bee hives, I decided to go for the veil. At the second hive, I felt confident enough to get rid of it again. Pulling out the frames out of the boxes, I made a “shhh” sound. I talked myself into believing that I did this to calm down the bees. But I knew that it was to keep my breath calm and not show any tension. No sting happened.

In the end, the stings turned out to be an educational experience I won’t forget. I got over the fear of being stung and had learned to be less hectical. The innumerable stings that happened when I was a child (from walking barefoot all the time) remained as a positive memory, too. They meant a close relationship with nature. Back then I was even happy about the homeopathic dose of bee venom, as it is used as a medical treatment against pain and muscular diseases in countless civilizations around the world.

I feel sorry for those five companions whose lives I took the other day and I know that bees never sting without a reason. Still, I learned a lot as they showed me the great value of a steady hand.