Vom Barkeeper zum Beekeeper

Die Bio-Imkerei Villa Erbse macht Erfahrungen mit einem etwas anderen Full Time Job

Durch’s Reden kommen die Leut z’sam, sagt man so schön in Wien. Und weil ich so eine Plaudertasche bin, finde ich als „Zuag’raste“ langsam, aber stetig meinen Einstieg in die Wiener Imkerszene. Dank der Online Community durfte ich Freundschaft mit Martin Asche schließen, dem liebenswerten Gründer der Bio-Imkerei Villa Erbse.

2017 haben Martin und seine Verlobte Verena beschlossen, sich – in zweierlei Hinsicht – zu trauen. Zu zweit gehen sie den mutigen Schritt in die Berufsimkerei und die Selbstständigkeit, und sie blühen voll auf!  Mit ihrem aufgeweckten Hund Trudi sind täglich in und um Wien unterwegs, um ca. 70 Bienenvölker zu betreuen. Auf den Spuren der Bio-Imkerei Villa Erbse durfte ich Martin über die Schulter schauen und dabei einen Einblick in die Erwerbsimkerei erhaschen.

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Martin und Hugo

Auf seine Einladung hin geht es auch schon auf in den VW-Bus „Hugo“ zu einer etwas anderen Tour durch Wien. Die zutrauliche Trudi legt relaxt ihren Kopf auf meine Schenkel, während Martin mir von seinem Werdegang erzählt und den VW durch Döbling manövriert. Schon seit der Kindheit gab es Berührungspunkte mit der Imkerei, und später vertiefte Martin seine Kenntnisse während einer lehrreichen Zeit bei Johann Fuchs aka Mr. Bien.

Nix da 9 to 5

Bei der Betreuung mehrerer Standorte nimmt die Logistik mehr Zeit in Anspruch als gedacht. Insbesondere, wenn die Völker an den unterschiedlichsten Standorten Wiens verteilt sind – vom Wienerberg bis in den 23. Bezirk. Martin überlegt, strukturiert und bereitet jeden Tag aufs Neue vor. „Was habe ich heute vor und was brauche ich dafür?“ ist dabei eine der wichtigsten Fragen, damit der Arbeitsalltag reibungslos abläuft.

Öfter fragt mich Martin nach der Uhrzeit. Es ist Freitagnachmittag. In der Übergangsphase vom Hobbyimker zum Erwerbsimker wird mit dem Zeitfaktor sensibler umgegangen. Verglichen mit der Hobbyimkerei muss die Arbeit am Bienenstand zügig und konzentriert vorangehen. Als Hobbyimkerin kann ich mir eher erlauben, mich einem Volk uneingeschränkt zuzuwenden und stundenlang die Fluglöcher zu beobachten. Martin nimmt sich jedoch ausreichend Zeit zum Tratsch und überlässt mir auch ein paar Handgriffe am Bienenvolk. Ich übe, die Bienen mit kurzen, prägnanten Bewegungen von der Wabe zu schütteln. Ich stelle mich dabei noch ein wenig botschert (was auf Wienerisch „ungeschickt“ bedeutet) an, aber Übung macht den (Imker-)Meister!

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Finde die Königin! Find the Queen Bee!

Neben der Logistik gehört zur Selbständigkeit auch Finanzplanung, Marketing, Social Media, Vereinsmitgliedschaft, Preiskalkulation, neue Sorten auszuprobieren, und natürlich die körperliche und geistige Arbeit am Bienenstand selbst.  Nebenbei lerne ich den Life Hack, stets eine Sonnencreme  dabei zu haben, um nicht nach einem Tag in der Mittagssonne auszusehen „wie Dr. Zoidberg.“ Jeden Tag begegnet Villa Erbse neuen Herausforderungen. Es bleibt spannend und überaus spaßig!

Gewinn ≠ Raubbau

„Die kleine Dame befreien wir noch schnell,“ meint er beim Entfernen des überstehenden Wachsbaus. Martins respektvolle Art mit den Bienen ist bewundernswert – ich will mehr davon lernen! In einem stetigen Lernprozess überlegt der frisch gebackene Berufsimker, wie man Bienen wesensgemäß halten, und unnötigen Einfluss auf die Völker vermeiden kann. Die Imkerei Villa Erbse hält sich vor Augen, dass es keine ultimative Strategie in der Bienenhaltung gibt. Zu einer harmonischen Imker-Community gehört, alternative Methoden zu respektieren, und niemandem etwas aufzuschwatzen. Wenn ich ihm eine meiner tausend Fragen stelle, überlegt Martin zuerst. „Bisher habe ich das so gemacht…bin aber gerade dabei, da was auszuprobieren.“ Experimentieren, und zwar in vernünftigem Maße, zeigt die Bereitschaft von Villa Erbse, auf die vorhandene Expertise aufzubauen und das Wissen ständig zu erweitern.

Was passt am besten zu Cremehonig? Kürbiskernöl natürlich!

Martins Vorkenntnisse als Barmann kommen ihm beim Testen aromatischer Kombinationen von Gewürzen. Ölen und Honig zugute. Von  Cremehonig mit Pistazie und Salz bis zum klassischen Blütenhonig gibt es bereits ein ausgewähltes Sortiment an Schmankerln.Und wer weiß, vielleicht kommt ja eines Tages Propolis oder Pollen dazu    (I wish)!

Im Garten gibt es Schönheit und Arbeit für immer, besagt eine altbekannte Weisheit. Nach dem Ausflug mit Villa Erbse bin ich sicher, selbiges auch über Bienenvölker sagen zu können. Martin hat mich in meiner Zuversicht bestärkt, dass die Imkerei in städtischem Umfeld nicht nur Spaß macht, sondern auch funktioniert. Martin und Verena haben diese Saison alle, vom Nektar klebenden Hände voll zu tun, und ich erwarte mit Vorfreude das nächste Imkerabenteuer!

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From Barkeeping to Beekeeping

Villa Erbse’s experience with Organic Beekeeping as a Full Time Job

Talking brings people together, and luckily I’m a chatterbox! Hence, by communicating and interacting, I’m finding my place in Vienna’s beekeeping scene and got to now the lovely founder of the Organic Apiary Villa Erbse, Martin Asche. In 2017, the engaged couple Martin and Verena and their dog Trudi plunged headlong into urban beekeeping. In full bloom, they are out and about the roads of Vienna all day, maintaining 70 hives. On the trails of the organic apirary, I had look over the shoulder of the full time beekeepers. 

By Martin’s invitation, we immediately kick off the journey through Vienna in an old VW bus. Martin calls the bus Hugo, which is such a perfect match! The dog, Trudi, trustingly places her head on my thigh while Martin tells me about his job impressions, maneuvering the bus through Döbling, Vienna’s 19th district.

Just like in my childhood, Martin always had a certain affinity for beekeeping. Working as a barkeeper in Vienna, one day he decided to spend instructive, but exciting years at Johann Fuchs’s (aka Mr. Bien) Apiary to deepen his understanding of apiculture.

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9 to 5? Nope!

Maintaining bee hives, spread in different spots of Vienna, consumes a considerable amount of time for logistics. Accordingly, Martin thoughtfully structures every upcoming day. „What am I planning to work on today, and which tools do I need to succeed?“ Those are the most important questions to maintain a most effective work routine and smooth conduct. 

Every now and then, Martin asks for the time. It’s Friday afternoon. In the transition from hobby to professional beekeeping, one does not only abreast with the time, but also stick to its frame. Compared to his former part-time beekeeping occupation, now he works on the apiaries swiftly and concentrated. However, Martin takes the time to chat with me and gives me loads of useful beekeeping suggestions, while I am practicing to shake off the bees from a honeycomb with quick, but effective moves. I’m still a little clumsy, but it’s great fun and I’m getting better!

Apart form logistics, self-employment demands knowledge in finance, marketing, social media, associative life,  pricing, trying new types of honey, and of course the physical and mental work at the hives. Apart from these aspects, I’m learning life hacks such as always using sun block, so I won’t look like Dr. Zoidberg after one workday in the sun.  Every day, Villa Erbse faces new challenges.  It will continue to be exciting and real fun! 

Profit  ≠ Exploitation

„I’ll just free that little lady“ Martin says, removing some surplus wax from the frames.  Martin’s  respectful interaction with the bees is astonishing to me. In a constant learning process, the freshly minted professional beekeeper contemplates how to keep bees according with their true nature. Thanks to Martin’s beekeeping philosophy, I learned that it is a vital part of a functioning beekeeping community to respect other beekeeper’s methods. The organic apiary Villa Erbse keeps in mind that there is no ultimate beekeeping strategy. Whenever I ask Martin a question on techniques, he pauses for a moment to think. „So far, I did it that way…but I thought of trying it in a different way.“ Experimenting in a reasonable scope shows Martin’s willingness to build upon existing expertise and expanding his knowledge. 

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What fits Cream Honey best? Pumpkin Seed Oil, naturally!

Martins previous experience as a professional barkeeper is for the benefit of Villa Erbse’s exclusive honey variations. Apart from traditional pure honey, he creates aromatic combinations of spices, herbs and oils, such as cream honey with pistacio and salt – yummy! And who knows, maybe one day he will also sell some propolis or pollen (I wish)!

There is beauty and work in the garden forever, says a tableau on my grandma’s window sill. After the great day with Villa Erbse I’m sure this also applies to beekeeping. Martin strengthened my confidence that urban beekeeping is  a lasting craft and great pleasure alike. This summer season, Martin and Verena will have their hands full of work and sticky nectar, and I will stay in great anticipation for the next adventure to come!